Rheinberger-Rekord begeistert

Andrea Kobler

Leichtathletik. Die Einheimische Laura Rheinberger sorgte für das Highlight aus Liechtensteiner Sicht: Sie begeisterte trotz schwierigen Bedingungen bei Gegenwind bis 2,5 m mit neuem Landesrekord. Vor den Augen von Sportminister Daniel Risch warf sie den Diskus bereits im ersten Versuch auf den neuen Landesrekord von 39,13 m und verbesserte diesen in der Folge noch zweimal auf 39,19 m und 39,35 m. «Mit diesem Resultat bin ich auf jeden Fall glücklich», strahlte die Athletin des LC Schaan. Ihr Trainer Günter Wenaweser war begeistert: «Das ist eine hervorragende Serie und zeigt, was noch möglich ist.» Die 21-Jährige weiss, wo sie noch ansetzen will: «Die erste Drehung passt, doch an der zweiten Drehung, in der ich Tempo raus nehme, muss ich noch arbeiten.» «Ich hätte ihr die 40-Meter-Marke gegönnt», so Sportminister Daniel Risch, der sich dieses Highlight nicht entgehen lassen wollte. «Klar wäre es schön gewesen, das Ziel der 40 m hier in Schaan zu realisieren. Doch ich bin zuversichtlich, dass ich diese noch im 2018 werfen werde», so Laura Rheinberger. Dass sie nahe dran sei, habe sie bereits in den Trainings nach dem Landesrekord von 38,17 m anlässlich des Auffahrtsmeetings in Kreuzlingen gespürt.

 

Starke Sprinter

Erfreulich schlugen sich auch die Sprinter Simon Hasler (TV Schaan) und Philipp Frommelt (TV Eschen-Mauren). Mit der Zeit von 11,53 Sekunden, die nur 2 Hundertstel über seiner persönlichen Bestzeit lag, zeigte sich Simon Hasler über seinen 100 m-Sprint sehr zufrieden: «Ich erlebte heute einen schönen Event, in meiner bisher besten Saison. Ich weiss jetzt, wo ich international stehe und bin überzeugt, dass ich in Zukunft noch oft von dieser Erfahrung profitieren kann.»

Philipp Frommelt lief über 100 m mit 11,59 Sekunden neue persönliche Bestleistung und realisierte damit die Kaderlimite. «Ich habe mich sehr gut gefühlt, obwohl mit etwas mehr Druck beim Start vielleicht noch mehr drin gewesen wäre.» Er war dankbar, mit den CSSE internationale Erfahrungen sammeln zu können: «So ein starkes Feld ist im Sprint nicht oft zu finden.» Auch in seiner favorisierten Distanz, den 200 Metern, fühlte er sich wohl. Noch vor Bekanntgabe der Zeit war für ihn klar: «Ich werde knapp an meiner persönlichen Bestleistung sein. Dies war dann tatsächlich so. Er verpasste sie mit 23,04 Sekunden lediglich um 2 Hundertstel und wusste danach nicht, ob er sich mehr freuen oder ärgern sollte: «An und für sich bin ich mit dieser Zeit zufrieden, auch wenn ich gerne erstmals unter 23 Sekunden gelaufen wäre.»

 

Zufriedenes Umfeld

Auch Weitspringerin Cosima Meier (TV Eschen-Mauren) zeigte sich mit 5,17 m – ihrer Saisonbestleistung – zufrieden. In einer schwierigen Saison, geprägt durch eine Knochenhautentzündung, motiviert sie dieses Resultat für die Zukunft. Die Bestweite sprang sie in ihrem dritten Sprung. «Hätte ich beim ersten Versuch nicht übertreten, wäre jener wohl noch weiter gegangen», so die Athletin. Günter Wenaweser, der die Leichtathleten im kommenden Jahr als Trainer an die Kleinstaatenspiele nach Montenegro begleiten wird, freute sich ob den Liechtensteiner Leistungen. «Schön, dass alle ihre Leistung abrufen oder gar ihre persönliche Bestleistung verbessern konnten», zeigte sich Leichtathletik-Verbandspräsident René Michlig ebenfalls zufrieden.

 

Wind vereitelte WM-Limite

Insgesamt starteten 250 Athleten aus 17 Nationen am Wettkampf auf der Schaaner Rheinwiese. Diese waren voll des Lobes über den einwandfrei organisierten Wettkampf und die optimalen Bedingungen in Liechtenstein. Immer wieder sprachen sie von der guten Luft und erkundigten sich mehrmals, ob hier auch Trainingslager absolviert werden können. Die Zuschauer freuten sich unter vielen anderen tollen Leistungen über die 1,86 m von Hochspringerin und Junioren-Weltmeisterin Marija Vukovic, die hier bereits an den LieGames 2011 mit einer Höhe von 1,77 m gewann: «Natürlich habe ich mir heute noch eine bessere Höhe erhofft, bin aber happy mit meinem Resultat», so die Athletin aus Montenegro. Ein spannendes Duell gab es im Kugelstossen der Männer zu verfolgen. Sieger blieb schliesslich nicht der Favorit und vierfache Olympionike Ivan Emilianov (Moldawien), sondern Giorgi Mujaridze (Georgien) mit 19,52 m. Eine starke Leistung gelang Izmir Smajlaj aus Albanien mit 7,90 Meter im Weitsprung. Er wurde bei der Medaillenzeremonie am Abend als erfolgreichster Teilnehmer ausgezeichnet, Olivia Fotopoulou aus Zypern mit 11,49 Sekunden über 100 m als erfolgreichste Frau. Die Nationenwertung ging an Zypern. Pech hatte der Isländer Kolbeinn Höður Gunnarsson. Seine 20,89 Sekunden über 200 Meter hätten nicht nur nationalen Rekord bedeutet, sondern auch die Limite für die Weltmeisterschaft in Berlin bedeutet. Doch aufgrund des zu starken Windes wurde die Zeit nicht anerkannt.

Nationale Rekorde feierten neben Laura Rheinberger auch Guðbjörg Jóna Bjarnadóttir aus Island in 23,61 sowie Christina Llovera aus Andorra in 24,95 Sekunden – beide über 200 m. «Natürlich bin ich sehr glücklich. Die Bedingungen waren hier in Liechtenstein sehr ähnlich wie in meiner Heimat Andorra. Ich fand es wunderbar, hier Gast zu sein: Ich liebe diesen Wettkampf an diesem schönen Ort in einer einmaligen Arena eingefasst von wunderbaren Bergen», schwärmte Llovera.

 

Wunderschönes Erlebnis

Eröffnet wurde der Anlass mit dem Einmarsch der Special Olympic mit den Fahnen aller Nationen, während drei Paragleiter aus der Luft die Flaggen von European Athletics sowie zwei Liechtensteiner Flaggen ins Stadion brachten. Die Medaillen erhielten die Athleten am Abend an der Medaillenzeremonie im SAL in Schaan, wo die Athleten, ihre Betreuer sowie die über 100 topmotivierten Helferinnen und Helfer des Anlasses ihre guten Resultate feierten. 

Vom Wettkampf begeistert war neben vielen anderen Isabel Fehr, Präsidentin des Liechtenstein Olympic Committee LOC: «Wir begrüssen die Initiative des Liechtensteiner Leichtathletikverbandes LLV sehr. Hier kämpften Teilnehmer aus 17 Nationen um gute Resultate und durften darüber hinaus unser Land kennenlernen. Für vier Liechtensteiner bot der Wettkampf die Möglichkeit, sich international messen zu können – eine ideale Vorbereitung auf die kommenden Kleinstaatenspiele in Montenegro.»

Der Anlass zeigte eindrücklich, dass es nicht nur Teilnahmen an Europa- oder Weltmeisterschaften für wunderschöne Erlebnisse sorgen, sondern Wettkämpfe auf Kleinstaaten-Niveau ebenso sehr attraktiv sind. 

 

NACHGEFRAGT

 

Sebastian Coe: «Ich hätte gerne als Aktiver hier trainiert»

 

Als Mittelstreckenläufer gewann er vier olympische Medaillen, davon zwei goldene im 1500-Meter-Lauf bei den Olympischen Sommerspielen 1980 und 1984. Darüber hinaus stellte er acht Weltrekorde auf. Nach seinem Rücktritt vom Spitzensport leitete Sebastian Coe die erfolgreiche Bewerbung Londons für die Olympischen Sommerspiele 2012. Seit drei Jahren ist der 62-jährige Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Am Wochenende war Sebastian Coe in Liechtenstein zu Gast.

 

Sebastian Coe, weshalb haben Sie entschieden, die Wettkämpfe live in Liechtenstein zu verfolgen?

Über ein Drittel aller Leichtathleten aus ganz Europa gehören einem Land an, die an diesem Wettkampf teilnehmen. Deshalb ist es für mich sehr wichtig, diesen Anlass, der den kleinen Staaten die Möglichkeit für einen solch guten Wettkampf gibt, hautnah zu verfolgen. 

 

Wie sind Sie mit den Leistungen der Athleten zufrieden?

Die Athleten zeigten sehr starke Leistungen auf einem sehr hohen Niveau. Sie freuen sich darüber hinaus sehr, hier in Liechtenstein Gast sein zu dürfen. Das Organisationskomitee um Michelle Eigenmann und René Michlig machte einen sehr guten Job.

 

Wie haben Sie Ihren ersten Besuch in Liechtenstein erlebt?

Am Freitag war ich zusammen mit dem Organisationskomitee und weiteren Funktionären zu Besuch bei S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein. Es war ein unvergessliches Erlebnis. Dieses Land ist eines der schönsten Plätze, die ich je gesehen habe. Schade nur habe ich es nicht bereits gekannt, als ich nach Athlet war. Ich wäre öfters hierher zum Training gekommen.

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