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Schweiss, Pull-up’s und Grenzen

Der Liechtensteiner Leichtathletikverband LLV geht im Training neue Wege.

Seit November treffen sich die Kaderathletinnen und Kaderathleten wöchentlich zu einem Functional Training in der Fighthall in Nendeln.


Leichtathletik. «Beisst auf die Zähne, haltet durch, nur noch 20 Sekunden! Ausatmen und weiter geht es», tönt es am Freitag abend in der Fighthall in Nendeln. Das Functional Training, früher bekannt als Intervall-Training und heute Crossfit-Training genannt, ist das vierte Training der Athletinnen und Athleten. Es gilt als Ergänzung zu drei Trainings im Club, die spezifisch auf die Disziplinen aufgebaut sind. Eine ganzheitliche Fitness ist eines der Ziele. Es wird Kraft, Kraftausdauer, Schnellkraft, Schnelligkeit, Flexibilität, Reaktionsfähigkeit, Balance und Koordination trainiert. Der Beobachter spürt nicht, aus welchen Sportarten die Athletinnen und Athleten kommen. Sie könnten ebenso gut aus dem Ski- oder dem Schwimmsport stammen.


Training im Team

Entscheidend ist das Training im Team. «In einem kleinen Land wie Liechtenstein ist es wichtig, dass sich die Athleten kennen und sich gegenseitig zu Erfolgen anspornen können», so Verbandspräsident René Michlig.

Im Training wird mit dem Eigengewicht gearbeitet, die Eigenwahrnehmung von Sehnen und Gelenken geschult und über Stabilisierungsübungen Muskeln aufgebaut. Gewichte werden keine gestemmt. Um aber den 12- bis 24-jährigen Athleten gerecht zu werden, werden zum Beispiel verschiedenschwere Medizinbälle eingesetzt. Der Ursprung des Functional Trainings oder Crossfit-Trainings liegt im Ostblock und den USA, im Training des Militärs oder der Polizei. Trainiert wird ohne teure Trainingsgeräte. Die Fighthall Nendeln, ein ursprüngliches Kampfsportcenter, das zu einer multifunktionalen Trainingshalle mit mobilem Hangel- und Geschicklichkeits-Parcours umgebaut wurde, ist der ideale Ort dafür.


Es muss weh tun!

Dem Aufwärmen (Warm up) folgen zwei Hauptblöcke mit Work out und ein Cool Down.

Der Schweiss trieft auch an diesem Abend. «Am Ende einer intensiven Schulwoche freue ich mich jeweils auf dieses Training und darauf mich richtig auszutoben», lacht Nadine Stüber (TV Triesen). Die Leibesübungen haben englische Bezeichnungen. Günther Wohlwend, genannt «Fels», fordert die Athletinnen und Athleten nicht zu Kniebeuge auf, sondern zu Squad, Liegestützen heissen Push-up, Klimmzüge Pull-up. Der Trainer steht neben den Athleten, überprüft ihre Körperhaltung und spornt sie an, über die vorgegebene Zeit zu kämpfen und keine Sekunde zu früh aufzugeben. «Es muss weh tun! Nur wenn ihr an eure Grenzen geht, werdet ihr stärker», sagt Günther Wohlwend und ergänzt: «Die alte Schule ist, was das Durchhaltevermögen angeht, nicht schlecht.» Um Höchstleistungen zu erreichen, muss das Training auch Spass machen, sind Roman Jäger, der Technische Leiter des LLV sowie die Trainer Günther Wohlwend und Carolin Davida überzeugt. «Ich wäre froh gewesen, hätte es dieses Training bereits zu meiner Aktivzeit gegeben», so der ehemalige Mehrkämpfer Jäger.


Erfahrung vor Lehrbuch

Vorbilder sind die Athleten des Rotorteams im eigenen Land oder Skistar und Trainingsperfektionist Marcel Hirscher, der beweist, dass Bergläufe und das Stapeln von Holzscheitern ebenso effektiv sein können wie das Training im Kraftraum. Das Trainerteam des LLV trainiert nicht nach Lehrbuch. Für Günther Wohlwend ist klar: «Erfahrungen, auch aus anderen Sportarten, bringen weiter.» Der mehrfache Kickbox-Medaillengewinner an Grossanlässen und Liechtensteiner Sportler des Jahres 2011 weiss es aus eigener Erfahrung: «Auch ich habe nie ausschliesslich Kickbox-spezifisch trainiert und bin im Kickboxen nur soweit gekommen, weil ich auch Anderes ausprobiert habe. Zum Beispiel habe ich die Athletik zusammen mit den Leichtathleten trainiert.»



Von Training zu Training stärker

Zwischen 10 und 13 Athleten des LLV besuchen das freiwillige Training regelmässig.

Ob nach dem ersten halben Dutzend Trainings bereits ein Erfolg ersichtlich sei? «Die Fortschritte zu messen ist in dieser Art von Training schwierig», sind sich Roman Jäger und Günther Wohlwend einig. «Nach dem ersten Training waren die Athleten bereits nach dem Einlaufen fix und fertig. Jetzt kommen sie nicht mehr so schnell an den Anschlag.» Und Julia Rohrer (LC Schaan) ergänzt: «Ich will erfolgreicher werden und muss deshalb an die Grenzen gehen. Ich fühle mich von Training zu Training besser und stärker.» Generell seien die Sportlerinnen und Sportler sehr motiviert. «Es ist schön, dass wir sie eher bremsen denn pushen müssen», so Roman Jäger. Am Ende gibt es ein Selfie von allen Trainingsteilnehmern. «Meist bin ich froh, wenn ich nach diesem Training zu Hause bin und ins Bett kriechen kann», fasst Matthias Verling (LC Vaduz) seine Verfassung nach dem Training zusammen. Mit einem Lächeln im Gesicht. So wie auch seine Kolleginnen und Kollegen, die an diesem Abend die Fighthall verlassen.

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